Gangpferde

Wir halten und züchten Gangpferde. Also Pferde, die zusätzlich zu den Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp noch ein bis zwei zusätzliche Gangarten haben. Unsere Tennessee Walker können in zwei zusätzlichen Gängen “walken”, unsere Rocky Mountain Horses, und Islandpferde können “tölten”. Gangpferde habe die genetische Veranlagung zu ihren Spezialgängen, die in der Ausbildung der Pferde gezielt gefördert wird. Spezialgänge der Gangpferde sind mit Ausnahme des Pass variationen des Schritts. Das Pferd bewegt sich also in einem 4-Takt und hat stets ein Bein auf dem Boden. Das Ergebnis ist eine schnelle in der Geschwindigkeit dem Trab vergleichbare Fortbewegung, die anders als der Trab aber sehr erschütterungsarm und damit maximal komfortabel ist. Entdecken Sie die vierte Dimension des Reiten.

Tennessee Walker

Tennessee Walking Horse sind mittelgroße Gangpferde von kräftiger Statur und von ausgeglichenem Temperament. Ihr Stockmaß liegt zwischen 145 und 173 cm (14.3 bis 17 hands). Seine komfortablen Gänge (Flat Walk und Running Walk) haben den Walker seit Gründung der Rasse zu einem hochgeschätzten Gefährten für seine Besitzer gemacht.

Im Blut dieser Pferde sind viele der ersten Rassen und Landschläge des nordamerikanischen Kontinents vereinigt. Kurz nach 1790, als Siedler aus Virginia und North Carolina in Tennessee sesshaft wurden, begann der langsame Verschmelzungsprozess der verschiedenen mitgebrachten Pferderassen im Zentralbasin von Mittel Tennessee. Die sorgfältige Entwicklung einer Zucht, aus der letztendlich das Tennessee Walking Horse hervorging, wurde von entschlossenen Farmern vorangetrieben. Zum Gebrauchspferd der Pioniere aus dem Westen wurden die Gene des Vollblüters aus Virginia gefügt, aus Kentucky das Blut des Naragansett- und Canadian Pacers importiert, das Blut der Morgans wurde aus Neuengland in den Süden gebracht und mit den Standardbreds der ganzen Nation zusammengeführt. Das Ergebnis ist ein gleichermaßen Arbeits- sowie leichtrittiges Gangpferd. Tennessee Walker besitzen die Fähigkeit, den Takt des Schrittes bis hin zu einer hohen Geschwindigkeit beizubehalten, ohne in den Trab- oder Passtakt zu fallen und dadurch den Reiter im Sattel zu werfen.

Ziel der Zucht ware und ist ein Gebrauchspferd, das ein regelrechtes Familienmitglied wurde und seine Besitze von der “Wiege bis zum Grab” begleitete. Bei einer Geburt holte es den Landarzt und die Hebamme, die Kinder legten auf ihm den Schulweg zurück, es brachte den Bräutigam zu seiner Angebeteten, es zog die Hochzeitskutsche und wartete während der sonntäglichen Messe brav vor der Kirche. Es begleitete den Geschäftsmann auf seinen Reisen und trug die Bäuerin mit einem Korb voller Eier behutsam zum Markt in die Stadt. Schließlich gab es seinem Herren vor dem Leichenwagen das letzte Geleit. Bei der Auswahl der Zuchttiere fand der Charakter besondere Berücksichtigung: Wegen ihres freundlichen Wesens werden die Tennessee Walker auch als die “Gentlemen unter den Pferderassen” bezeichnet.

Ein Stutbuch für die Rasse gibt es erst seit 1935, seither wurden ca. 300.000 Pferde registriert. Die ca. 18.000 Mitglieder im Zuchtverband TWHBEA nutzen das Tennessee Walking Horse auch in den USA in erster Linie als leichtrittiges Freizeitpferd, dessen erschütterungsfreier Gang es besonders auch als Partner für weniger sportlich ambitionierte Reiter, Menschen mit Rückenproblemen u.a. geeignet macht. Daneben ist das Tennessee Walking Horse vor allem im Bundesstaat Tennessee als großes Showpferd bekannt. Eine regelrechte Showindustrie aus professionellen Trainern und Veranstaltern bietet ständig sehr populäre Shows, in denen die Pferde -teilweise mit schweren Hufbeschlägen bestückt- extreme Aktionen entwickeln. Diese Praktiken werden von uns und einer Mehrzahl der Walkerbesitzer in Deutschland entschieden abgelehnt.

Die gewünschten Gänge des Tennessee Walker sind der Flat Walk (verstärkter, gleitender Schritt), der Running Walk (im gleichen Bewegungsablauf wie Flat Walk, jedoch in höherer Geschwindigkeit) und der Canter (ein versammelter Schaukelstuhlgalopp), unerwünscht sind Gangvariationen des Walk in Richtung Tölt (insbesondere eine Sprungphase der Hinterhand) sowie Taktverschiebungen zum gebrochenen (Stepping Pace) oder reinen Pass oder zum gebrochenen (Foxtrott) oder reinen Trab. Das ständige Kopfnicken, mit dem das Pferd seine Beinbewegung beim Walk ausbalanciert, ist ein Erkennungsmerkmal des korrekt gelaufenen Flat- und Running Walk. Dabei wird die Kruppe des Pferdes, bedingt durch die gehende Hinterhand, kaum auf und ab bewegt.

Da das Pferd wegen seiner bequemen Gänge als Reitpferd der Plantagenbesitzer in den Südstaaten bekannt wurde, gehört das traditionelle Outfit mit Reitrock im flachen Sattel (englisch), verbunden mit einer entsprechend versammelten Pferdehaltung, zur klassischen Reitweise des Tennessee Walkers. Daneben werden die Pferde im Westernoutfit der Cowboys vorgestellt, wobei sie am losen Zügel gehen. In den Disziplinen des Westernreitens wie Trail, Barrel Racing, Pole Bending sowie in der Rinderarbeit können sie erfolgreich eingesetzt werden.

Rocky Mountain Horses

Rocky Mountain Horses (RMH) sind mittelgroße Gangpferde. Ihr Stockmaß liegt zwischen 144 und 163 cm (14.2 – 16,0 hands). Sie sind echte Viergänger, die neben Schritt, Trab und Galopp über eine genetische Veranlagung zum Tölt (engl. Gait) verfügen. Sie haben ein besonders ruhiges und freundliches Wesen, gute Rittigkeit, Ausdauer und Trittsicherheit. Rocky Mountain Horses sind damit ideale Familien-, Freizeit- und Wanderreitpferde. In den USA werden sie auch als Show Pferde eingesetzt.

Rocky Mountain Horses gibt es in allen einfarbigen Farbvarianten (keine Schecken). Verhältnismäßig häufig findet man das sogenannte Windfarb- oder Silver Gen, das zu eine Aufhellung der Grundfarbe führt und eine helle (blonde) Mähne hervorbringt. Die Farben bezeichnet man dann als Chocolate (bei Rappen) und Red Chocolate (bei Braunen). Bei Füchsen führt das Windfarbgen nicht zu erkennbaren Farbänderungen.

Das Rocky Mountain Horse ist eine relative junge Pferderasse, das auf vielseitig einsetzbare Arbeits- und Gebrauchspferde im mittleren Osten der USA und insbesondere im Bundesstaat Kentucky zurück geht. Anders als der Name vermuten lassen würde, hat die Rasse ihren Ursprung gerade nicht in den Rocky Mountains, sondern in den Appalachen. Um die einzigartigen Charakteristika dieser Pferde zu definieren, gezielt als Pferderasse zu schützen und weiter zu entwickeln wurde 1986 die Rocky Mountain Horse Association gegründet. 1986 wurde das Stutbuch geöffnet und 2004 geschlossen, so dass heute nur noch Nachzuchten aus registrierten und zertifizierten Rocky Mountain Horses eingetragen werden können. Im Jahr 2019 waren 25.000 Pferde als Rocky Mountain Horses registriert.

Die Eintragung von Pferden als Rocky Mountain Horses ist heute für Pferde möglich, die von registrierten und zertifizierten Rocky Mountain Horses abstammen. Es genügt für ein vollwertiges (zuchtfähiges) Rocky Mountain Horse also anders, als bei den meisten Pferderassen, nicht die genetische Abstammung. Zusätzlich muss für Rocky Mountain Horses durch eine Zertifizierung nachgewiesen sein, dass bestimmte Rassekriterien erfüllt sind.

Mit dem Rocky Mountain Horse eng verwandt ist das Kentucky Mountain Saddle Horse (KMSH) und das Spotted Mountain Horse (SMH). Mit tendenziell etwas weniger strengen Zucht- und Aufnahmekriterien sowie das Mountain Pleasure Horse (MPH) mit eher strengeren Kriterien. Anders, als für die Zucht und Registrierung von Rocky Mountain Horses ist unter bestimmten Voraussetzungen für Kentucky Mountain Saddle Horse und das Spotted Mountain Horses möglich, nicht oder bei anderen Verbänden registrierte Pferde einzukreuzen.


Islandpferde

Islandpferde sind die in Deutschland und Europa am weitesten verbreitete Gangpferderasse. Es sind kleine Gangpferde mit einem Stockmaß von in der Regel zwischen 125 und 145 cm. Streng genommen haben die meisten Islandpferde Ponyformat. Da sie vollwertige Reitpferde für Erwachsene sind, werden sich die meisten Islandpferdebesitzer aber vehement gegen die Bezeichnung Pony wehren.

Islandpferde haben neben den Gängen Schritt, Trab und Galopp eine genetische Veranlagung zum Tölt. Es gibt Islandpferde, die zudem Pass beziehungsweise Rennpass gehen können. Sie sind also Vier- oder Fünfgänger. Islandpferde gibt es praktisch in allen Farben und Farbvarianten. Charakteristisch ist die meist ausgeprägte Mähne und das dicke Winterfell. Islandpferd sind extrem robust, trittsicher, leistungsfähig, unerschrocken und genügsam. Sie stellen wenig Ansprüche an die Haltung und können auch bei widrigen Bedingungen in freien gehalten werden. Geschätzt wird das Islandpferd als vielseitig einsetzbares Sport-, Freizeit und Familienpferd für Groß und Klein.

Der Ursprung der Rasse liegt – wie der Name verrät – auf Island. Sie gelangten dorthin mit den ersten skandinavischen Siedlern (den Wikingern) vor etwa 1.000 Jahren und haben Ihren Ursprung wesentlich in verschiedenen skandinavischen Pferderassen. Das Zuchtziel war ursprünglich ein vielseitig einsetzbares Pferd, dass zur Arbeit, als Lastenträger und als Fortbewegung aber auch als Fleischlieferant eingesetzt werden kann. Das Zuchtziel liegt heute im Schwerpunkt auf der Nutzung als Reitpferd.

Seit 1909 gibt es ein Verbot zur Einfuhr von Pferden, so dass Islandpferde, die ihre Heimat einmal verlassen haben nie mehr zurückkehren können. Weltweit gibt es über 300.000 Islandpferde. Die größten Population befinden sich mit etwa 78.000 Tieren in Island und mit etwa 65.000 in Deutschland.